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„Wir haben ein Alleinstellungsmerkmal“

 

Der Erfolg der Medizinerin und Biotech-Gründerin Marita Stein-Konertz

 

Die Berliner Biotech-Firma AutoTissue hat eine neuartige Herzklappe entwickelt, die vom menschlichen Körper nicht abgestoßen wird. „Unsere Herzklappen haben ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Geschäftsführerin und Mitbegründerin der Firma Marita Stein-Konertz stolz. Für ihren unternehmerischen Mut erhielt die Medizinerin 2003 den IDEE-Förderpreis.

Jährlich werden weltweit etwa 250.000 Herzklappen verpflanzt, 25.000 davon allein in Deutschland. Hergestellt werden sie von einer Handvoll Firmen - unter anderem von AutoTissue, bisher die einzige Firma, die Herzklappen in Deutschland produziert. Das Unternehmen hat ein neuartiges Verfahren entwickelt, um tierische Herzklappen so zu bearbeiten, dass sie vom menschlichen Körper nicht abgestoßen werden und somit nicht verkalken. Dafür erhielt das Unternehmen 2002 den Innovationspreis Berlin-Brandenburg.

Bislang gab es keine idealen Herzklappen-Implantate. Mechanische Herzklappen aus Carbon lassen das Blut an ihrer Oberfläche verklumpen, denn es gerinnt an der für den Körper fremden Fläche. Patientinnen und Patienten mit solchen Implantaten müssen ein Leben lang gerinnungshemmende Medikamente einnehmen - und werden so zu Blutern. Bei biologischen Herzklappen, die meist vom Schwein stammen, gibt es diese Probleme nicht. Doch sie verkalken, weil der Körper fremdes Gewebe abstößt, und je jünger die Patientin oder der Patient ist, desto schneller verkalken sie. Das hat zur Folge, dass sie immer wieder erneuert werden müssen. Bei Herzklappen von Verstorbenen sind die Abstoßungserscheinungen zwar geringer, doch sind solche Klappen kaum verfügbar.

„Wenn man fremdes Material in einen Körper einpflanzt, erkennt das Blut das fremde Gewebe an den Zellen, die zwischen dem gitternetzartig aufgebauten Bindegewebe sitzen“, erklärt Marita Stein-Konertz, wie es zur Abstoßungsreaktion kommt. „Wir haben eine Methode entwickelt, mit der wir die Zellen komplett aus dem Bindegewebe der Schweineklappen entfernen können. Es bleibt also nur das Bindegewebe übrig, das vom Körper nicht abgestoßen wird, aber immer noch die gleiche Form und physikalischen Eigenschaften hat“, so Stein-Konertz. Der besondere Clou: „Die körpereigenen Zellen wachsen dort ein, wo vorher die Schweinezellen saßen, produzieren körpereigenes Bindegewebe und bauen das alte ab. Im Laufe einer gewissen Zeit hat der Patient quasi seine eigene Herzklappe wieder“, erläutert sie.

AutoTissue ist eine Ausgründung aus der universitären Forschung, und die Berliner Charité ist einer der Gesellschafter. Der Herzchirurg Wolfgang Konertz, Ehemann von Marita Stein-Konertz, hatte am Berliner Charité-Klinikum mit einer Gruppe von Forscherinnen und Forschern eine neue Herzklappen-Technologie entwickelt. „Die Idee war, diese vielversprechende Grundlagenforschung zur Markteinführung zu bringen“, so Stein-Konertz. In den ersten drei Jahren, von der Gründung des Unternehmens 2000 bis zur Zertifizierung der Herzklappen 2003, waren die Standbeine der Firma Kredite, Fördermittel des Bundeswirtschaftsministeriums sowie Auftragsarbeit für andere Unternehmen.

Heute hat das Unternehmen zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Perspektiven beurteilt Marita Stein-Konertz als glänzend: „Wir haben ein Alleinstellungsmerkmal: Unser Produkt ist hervorragend und die Methode bisher weltweit einzigartig.“ Zurzeit arbeitet die Firma auch an der Entwicklung von Gefäßen wie Venen, Adern und Bypässen. Die ehemalige Anästhesistin Stein-Konertz, die am Max-Planck-Institut für experimentelle Kardiologie in Bad Nauheim promoviert hat, steht nicht mehr selbst mit der Pipette im Labor. „Aber man kann so eine Firma nur dann gründen, wenn man auch vom Fachgebiet Ahnung hat“, sagt sie.

Im Bereich Biotechnologie sind Frauen als Gründerinnen eine Ausnahme. Als Exotin fühlt sich Stein-Konertz aber nicht aus diesem Grund, sondern eher in anderer Hinsicht: „Es sind viele positive Momente zusammengeflossen, die es mir ermöglicht haben, eine berufliche Karriere auch als Mutter fortzusetzen.“ Im Gegensatz zur früheren Tätigkeit als Anästhesistin im Krankenhaus mit Nachtdiensten könne sie als selbständige Unternehmerin familiäre Aufgaben viel besser in die Arbeit integrieren. Außerdem teile sie sich mit ihrem Mann die Hausarbeit auf und ihre Tochter besuche eine gute Ganztagsschule. „Nur wenn das familiäre hundertprozentig geregelt ist, kann man einen guten Job machen“, sagt sie überzeugt.

Weitere Informationen: www.autotissue.de

Erstellt am: 11.02.2008



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