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Und es geht doch: Mütter machen Karriere

 

Porträtsammlung bietet einen abwechslungsreichen Einblick in das Leben von Müttern in Deutschland, die Familie und Karriere verbinden.

 

Im Jahr 1986 hatte Herbert Grönemeyer durchschlagenden Erfolg mit dem Lied "Kinder an die Macht". Im Jahr 2006 hat sich der Slogan geändert: "Mit Kindern an die Macht" ist das Motto der Porträtsammlung "Die Unmöglichen. Mütter, die Karriere machen". Die Spiegel-Redakteurinnen Anke Dürr und Claudia Voigt stellen darin gemeinsam mit einer Reihe hochkarätiger Journalistinnen elf Frauen vor, die mit viel Energie, Kreativität und Mut zum Anderssein ihre Zeit zwischen Kindern und Karriere aufteilen – und glücklich dabei sind. Diese Frauen sind in Deutschland immer noch Ausnahmeerscheinungen – und sie haben ganz unterschiedliche Wege gefunden, ihren Lebensentwurf umzusetzen.

Ob Forscherin oder Managerin, Schauspielerin oder Generalanwältin in Brüssel – alle porträtierten Frauen haben gemeinsam, dass sie Meisterinnen des Multitaskings und Zeitmanagements sind. Viele von ihnen haben eine Zeit lang im Ausland verbracht und dort erlebt, dass der Begriff der "Rabenmutter" eine deutsche Erfindung ist und es anderswo ganz selbstverständlich ist, dass Mütter auch Karriere machen. Die Herausgeberinnen seien während der Recherchen zu dem Buch davon überrascht worden, "wie sehr diese Frauen als Provokation empfunden werden" – von Karrierefrauen ohne Kinder, von Müttern, die ihre Karriere aufgegeben haben und von Karrierevätern, deren Frauen ihnen in der klassischen Rollenverteilung den Rücken freihalten. Dennoch überzeichnen die Porträts diese Frauen keinesfalls als Heldinnen. "Sie zweifeln und verzweifeln manchmal, und ihr Tag hat auch nur 24 Stunden. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb können sie Vorbilder für andere Frauen sein", schreiben Voigt und Dürr.

In den vergangenen Jahren hat sich etwas in Deutschland verändert, aber der Wandel steht noch am Anfang. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen und die stellvertretende Vorsitzende des Vorstands der Bertelsmann Stiftung Liz Mohn schreiben in ihrem Vorwort: "Es ist heute keine Frage mehr, ob Frauen in Zukunft arbeiten werden oder nicht. Und sicher werden auch viele von ihnen viel versprechende Karrierewege einschlagen. Die Frage lautet, ob sie dabei auch Kinder haben werden". Gute Betreuungsmöglichkeiten, finanzielle Unterstützung, eine familienfreundliche Arbeitskultur und die Überwindung des Vorurteils, dass Karriere und Mutter-Sein nicht zusammenpassen, sehen die Ministerin und die Medienfrau als Voraussetzung dafür, dass das Beispiel der "Unmöglichen" in Deutschland Schule macht.

Das Buch bietet Einblicke in die Lebenswelt ganz unterschiedlicher Mütter, die Karriere machen. Die Leserinnen und Leser lernen so eine Elitestudentin der Physikalischen Ingenieurwissenschaften kennen, deren minutiös durchorganisierter Tagesablauf ihr das Studium mit zwei kleinen Kindern ermöglicht – und die davon spricht, was für ein harter Kampf es war, ihren eigentlich emanzipierten Freund zu einer gleichwertigen Teilhabe am Haushalt zu bringen. Man erhascht einen Blick auf die Welt von Nina Öger, Alleinerziehende und Geschäftsführerin der Öger Group Deutschland – ihr Leben bewegt sich zwischen Tochter, dem Blackberry, Flieger, Kinderfrau und Millionenentscheidungen. Margot Käßmann, Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover und Mutter von vier Kindern, erinnert mehr an eine Managerin als an eine Geistliche. Sie hat einen Mann, der sie anfeuert und entlastet. Während ihrer Karriere hat sie lernen müssen, dass die vermeintlich wohlmeinende Frage nach der Vereinbarkeit von Kindern und Beruf manchmal beleidigend sein kann: "als müsse man meine Kinder vor meinem Ehrgeiz schützen".

Die Filmproduzentin Ariane Krampe hat zwei Kinder und stellt die These auf, dass im Dreiklang Partnerschaft-Kinder-Job eines der Elemente meist unten durch fällt – "weil den Frauen noch immer die Verantwortung für das Gelingen der Partnerschaft und für die Erziehung zugeschoben wird". Und sie prägt den schönen Satz: "Alle Mütter sind Planungsgenies".

In dem Buch hat beides Platz: der persönliche Umgang der Mütter mit ihrer Entscheidung Kinder und Karriere haben zu wollen – und das tatsächliche Management der Situation am Arbeitsplatz und in der Familie. Kreative Flexibilisierungsmodelle, wie sie sich Sybille Hartmann, Controllerin bei Unilever, bei ihrem Arbeitgeber erkämpft hat, werden ebenso spannend beschrieben wie die unterschiedlichen Strategien der Frauen, mit Zweifeln und Zweiflern umzugehen.

Beeindruckend ist die spürbare Faszination, die die "Unmöglichen" sowohl für ihre Karriere als auch für ihre Familie empfinden und die sie sehr bewusst erleben. Die Geschichten machen deutlich, dass Kinder und Karriere gleichzeitig sehr viel Kraft kosten. Sie zeigen aber auch, dass beides zusammen auch sehr viel Kraft gibt. Und unterm Strich vermitteln die "Unmöglichen" eine Aufbruchstimmung.

Anke Dürr und Claudia Voigt (Hg.) Die Unmöglichen. Mütter, die Karriere machen. Diana Verlag, 231 Seiten, 18 Euro.

Erstellt am: 24.04.2006


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