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Arbeitsbedingungen an Hochschulen elternunfreundlich

 

Vor allem Wissenschaftlerinnen befürchten negative Auswirkungen auf die Karriere

 

Die Rahmenbedingungen an den Hochschulen erschweren die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Elternschaft. Das ist das Ergebnis zweier Projekte zum Thema „(Kinder-)Wunsch und Wirklichkeit in der Wissenschaft“, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert werden.

Vor allem unter Angestellten im Mittelbau der Universitäten ist die Kinderlosigkeit besonders hoch: 2006 waren von den wissenschaftlichen Mitarbeitenden insgesamt 73 Prozent kinderlos, Frauen etwas häufiger (75 Prozent) als Männer (72 Prozent). Bei der Professorenschaft beträgt der Anteil der Kinderlosen insgesamt lediglich 38 Prozent, die Professorinnen sind allerdings deutlich häufiger kinderlos (62 Prozent) als die Professoren (33 Prozent). Das ergab das Projekt „Wissen- oder Elternschaft? Kinderlosigkeit des wissenschaftlichen Personals an Hochschulen in Deutschland“ der Technischen Universität Dortmund. Grund dafür seien die zunehmend prekären Beschäftigungsverhältnisse im Mittelbau, „das sagen unsere Auswertungen ganz klar aus“ heißt es in dem Bericht. So würden 89 Prozent der Wissenschaftlerinnen im Alter zwischen 22 und 44 Jahren im Mittelbau befristet beschäftigt sein und die Hälfte arbeite Teilzeit. Erstaunt war das Projekt-Team um Prof. Sigrid Metz-Göckel, dass die männlichen Wissenschaftler „ebenfalls überraschend hoch kinderlos sind“.

Etwa zwei Drittel der bisher kinderlosen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (70 Prozent) wünscht sich grundsätzlich Kinder. Gleichzeitig halten rund ein Drittel der kinderlosen Männer und ein etwas höherer Anteil der kinderlosen Frauen (37 Prozent) die Realisierung ihrer Kinderwünsche für unwahrscheinlich. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die bereits Kinder haben, glauben noch weniger an die Verwirklichung eines weiteren Kinderwunsches als die (noch) Kinderlosen, so die Ergebnisse des Projekts „Balancierung von Wissenschaft und Elternschaft“ des Kompetenzzentrums Frauen in Wissenschaft und Forschung (CEWS). Auch hier gaben die Befragten vor allem berufliche Gründe an, die gegen die Realisierung des Kinderwunsches sprechen: Keine verlässliche Perspektive, fehlende berufliche Etablierung und eine zu geringe finanzielle Sicherheit. Dabei geben Frauen häufiger als Männer an, dass ihre aktuelle berufliche Situation eine hinderliche Rolle spielt (70 Prozent gegenüber 54 Prozent).

Etwa ein Drittel der Eltern berichtete, dass die Elternschaft negative Konsequenzen auf ihre berufliche Entwicklung habe - vor allem die Mütter (48 Prozent gegenüber 24 Prozent bei den Vätern). Benannt wurden dabei beispielsweise von 49 Prozent der Mütter eine zurückhaltende Förderung (Väter: 12 Prozent), 32 Prozent erleben eine geringere Wertschätzung ihrer wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit (Väter: 7 Prozent) und 40 Prozent der Wissenschaftlerinnen fühlen sich seit ihrer Elternschaft aus beruflichen Netzwerken ausgeschlossen (Väter: 15 Prozent).

Um die Vereinbarkeit von Wissen- und Elternschaft zu verbessern, fordern die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem längere Vertragslaufzeiten von mindestens zwei Jahren. Zudem müssten flexible und qualitativ gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten ausgebaut werden. An die Verantwortlichen für die öffentliche Mittelvergabe wurde appelliert, öffentlich geförderte Stellen (Drittmittelprojekte) an Bedingungen zu knüpfen, die eine Elternschaft berücksichtigen.

Weitere Informationen:
CEWS-Projekt „Balancierung von Wissen- und Elternschaft“

Projekt der TU Dortmund „Wissen- oder Elternschaft“

Erstellt am: 12.01.2010


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