Alternativer Nobelpreis für Monika Hauser
Unterstützung für traumatisierte Frauen und Mädchen
Seit 15 Jahren organisiert die Frauenärztin Monika Hauser Hilfe für vergewaltigte und traumatisierte Frauen in Kriegs- und Krisenregionen. Für ihr Engagement erhält die Gründerin von „medica mondiale“ einen von vier Alternativen Nobelpreisen 2008.
Die 49jährige wird ausgezeichnet „für ihren unermüdlichen Einsatz für Frauen, die in Krisenregionen schrecklichste sexualisierte Gewalt erfahren haben, und für ihren Kampf, ihnen gesellschaftliche Anerkennung und Entschädigung zu verschaffen“, so die Jury in ihrer Begründung.
Mit ihrem Engagement begann Hauser 1992, als sie aus Medienberichten erfuhr, wie zehntausende Frauen und Mädchen im Krieg in Bosnien vergewaltigt und gefoltert wurden, wie ihre Organisation "medica mondiale" informiert. Sie ist entsetzt über das Schicksal der Frauen, aber auch empört über die Art der Medienberichte, die die Frauen in ihren Augen ein zweites Mal demütigt. Monika Hauser entschließt sich, selbst tätig zu werden. Im Herbst 1992 reist sie ins Kriegsgebiet und entschied sich, in Zenica (Zentralbosnien) ein Frauenzentrum aufzubauen. Als internationale Hilfsorganisationen abwinken, schließt sie sich mit rund 20 bosnischen Psychologinnen und Ärztinnen zusammen. Gemeinsam entwickeln sie Konzepte, um kriegstraumatisierten Frauen und ihren Kindern zu helfen.
Im Frühjahr 1993 fährt Monika Hauser erneut mit Spendengeld und 20 Tonnen zusammengebettelten Hilfsgütern nach Zenica. Am 4. April wird das Zentrum Medica Zenica offiziell eröffnet. Es umfasst eine gynäkologische Praxis sowie Räume für die psychosoziale Beratung und die Unterbringung von Frauen. Mehr als 93.000 Frauen wurden dort seit 1992 oder bei Hausbesuchen mit der mobilen Ambulanz gynäkologisch behandelt und psychologisch betreut.
Um die bestehende Lücke im Bereich der Fachliteratur für Praktikerinnen zu schließen, gibt medica mondiale e. V. im Jahr 2004 mit finanzieller Förderung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, im Mabuse Verlag ein Handbuch zur Unterstützung traumatisierter Frauen in verschiedenen Arbeitsfeldern „Sexualisierte Kriegsgewalt und ihre Folgen“ heraus, das inzwischen auf Grund der hohen Nachfrage eine Neuauflage erfahren hat und über den Buchhandel bezogen werden kann.
Mit mehreren Mitarbeiterinnen baut Monika Hauser 1994 ein Büro in Köln auf, dass das bosnische Frauenzentrum mit Spendengeldern und fachlicher Beratung unterstützt. Im folgenden Jahr gibt sich die Hilfsorganisation den Namen „medica mondiale“ und weitet ihr Engagement 1999 auf den Kosovo aus. Auf der Grundlage des in Bosnien entwickelten ganzheitlichen Ansatzes - gynäkologische Versorgung, psychosoziale Beratung und Rechtshilfe - ist die Frauenorganisation inzwischen unter anderem in Afghanistan, im Kongo, in Liberia, in Uganda und im Irak tätig.
Den Alternativen Nobelpreis erhalten in diesem Jahr neben Monika Hauser die somalische Friedensaktivistin und Frauenrechtlerin Asha Hagi, die US-Journalistin Amy Goodman und das indische Ehepaar Jagannathan. Der „Right Livelihood Award“, bekannt als Alternativer Nobelpreis, wurde 1980 vom schwedisch-deutschen Publizisten Jakob von Uexküll gestiftet, um „jene zu ehren und zu unterstützen, die praktische und beispielhafte Antworten auf die dringendsten Herausforderungen unserer Zeit verwirklichen". Das Preisgeld beträgt insgesamt zwei Millionen schwedische Kronen (etwa 200.000 Euro).
Weitere Informationen:
www.medicamondiale.de
www.rightlivelihood.org
Erstellt am: 20.11.2008



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