„Die Mutterglück-Falle“
Woran liegt es, dass die Deutschen immer weniger Kinder bekommen? Nach Ansicht der Autorin Karin Deckenbach an einer verfehlten Familienpolitik und dem urdeutschen Phänomen „Mutterglück“. In ihrem provokanten Buch „Die Mutterglück-Falle“ fordert die Autorin ein grundlegend neues Familienbild.
„Tatsache ist: In keinem anderen Land wird das Kindswohl so antiquiert auf die Allgegenwart der Mutter reduziert“, schreibt Deckenbach. Die Konsequenz: Allein in Westdeutschland kreisen mehr als vierzig Prozent der zuvor berufstätigen Frauen nach der Geburt jahrelang nur noch um Kind und Herd. Der Rest gehe mit schlechtem Gewissen arbeiten und „reibt sich größtenteils sehr teilzeitig zwischen Beruf und Berufung auf.“ Und selbst wenn Mütter mit gutem Gewissen in den Job zurückkehren, werde ihnen dies durch sozialen Druck vermiest, kritisiert die Autorin. Das von vielen ersehnte Mutterglück verkomme so häufig rasch zur Mutterglück-Falle. Für Deckenbach ein Grund, warum sich viele Paare von vorneherein gegen Kinder entscheiden.
In ihrem Buch vergleicht Deckenbach das deutsche Familienbild und -leben auch mit den europäischen Nachbarn und zeigt auf: Deutschland hat die niedrigste Geburtenrate, das schlechteste Angebot an Kinderbetreuungsplätzen und die niedrigste Frauenerwerbsquote. Dort, wo Mütter Familie und Beruf vereinen können, wie in Frankreich und Schweden, ist die Geburtenraten am höchsten.
Höchste Zeit, so die Autorin, die Familienpolitik zu ändern. „Die Doppelverdienerfamilie muss zum Standardmodell unserer Sozialversicherungssysteme werden“, fordert Deckenbach. Ehegattensplitting und beitragsfreie Mitversicherung von Ehefrauen in der gesetzlichen Krankenversicherung gehörten abgeschafft, fordert Deckenbach. Ändern müssten sich auch die Väter in Deutschland. Ihnen wirft Deckenbach vor, sich bislang vor allem durch verbale Aufgeschlossenheit auszuzeichnen - bei gleichzeitiger Verhaltensstarre.
Karin Deckenbach: „Die Mutterglück-Falle. Warum wir unser Familienbild ändern müssen“. dtv, München 2006, 240 Seiten, ISBN 3-423-24553-0, 14,50 Euro.
Erstellt am: 01.11.2006
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