Familie und Beruf in Frankreich
Vollzeiterwerbstätigkeit dominiert
In Frankreich ist die Erwerbstätigkeit von Müttern selbstverständlich. Die Rahmenbedingungen ermöglichen den Französinnen, Familie und Beruf gut zu vereinbaren. Entsprechend hoch ist die Geburtenrate.
Der Europa-Report „Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Deutschland im europäischen Vergleich“ des Projektes fast4ward zeigt: Frankreich weist mit durchschnittlich 1,89 Kindern die höchste Geburtenrate in Europa auf, obwohl die Französinnen mit durchschnittlich 29,2 Jahren bei der Geburt des ersten Kindes sogar etwas älter im Vergleich zu anderen Ländern.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf steht nach dieser Studie in direktem Zusammenhang mit der Zahl der Geburten: Je besser die Integrationsmöglichkeiten, desto eher entscheiden Frauen sich für Kinder. Das Nebeneinander von Familie und Beruf ist in Frankreich nahezu selbstverständlich und die Erwerbstätigkeit französischer Mütter Alltag, lautet das Fazit des Europa-Reports. Dominierend ist die Vollzeiterwerbstätigkeit, die durch die Geburt von Kindern nur kurz unterbrochen wird. Selbst von den Frauen mit drei Kindern ist die Mehrzahl erwerbstätig.
Daneben spielen die so genannten weichen Faktoren wie z.B. die grundsätzliche Einstellung der Gesellschaft zu erwerbstätigen Müttern und die Akzeptanz von Kindern eine nicht zu unterschätzende Rolle. „Jedes neue Kind ist nicht nur ein persönlicher Glücksfall, sondern auch ein wirtschaftlicher Gewinn und ein Wachstumsanstoß für das ganze Land“, erklärt Familienminister Christian Jakob. Frankreich praktiziert die Familienförderung seit langer Zeit unter dem Aspekt der Gesellschafts- und Beschäftigungspolitik – mit Erfolg: Seit 1995 steigt die Geburtenrate kontinuierlich an.
Auch die Bildung ist entscheidend: Je höher der Bildungsabschluss, desto höher die Bereitschaft zur Erwerbstätigkeit: 56 Prozent der Französinnen erwerben einen ersten Abschluss, der zum Zugang an Hochschulen berechtigt, weitere 56 Prozent einen weiteren Abschluss an einer Hochschule oder Fachhochschule.
Gerade Kinderbetreuungsmöglichkeiten helfen, den Familienalltag zu organisieren: In Frankreich werden viele Kleinkinder im Alter zwischen zweieinhalb Monaten und drei Jahren in so genannten »crčches« (entspricht den deutschen Kinderkrippen) betreut. Zusätzlich gibt es verschiedene Tagesmütter-Modelle. Wenn französische Eltern eine Tagesmutter (»assistante maternelle«) anstellen, bezahlen sie nur ein Viertel der daraus entstehenden Kosten. Die Sozialversicherung übernimmt der Staat und die Kosten sind steuerlich absetzbar. Fast 100 Prozent der Kinder zwischen drei und sechs Jahren und fast 35 Prozent der Kinder im Alter von zwei Jahren besuchen die »école maternelle«, bevor mit sechs Jahren die eigentliche – ganztägige - Schulpflicht beginnt.
Frankreich zahlt an seine Eltern Elterngeld: Bei vollständiger Arbeitsaufgabe 487 Euro monatlich, unabhängig vom Einkommen, bei Teilzeitbeschäftigung 243 bis 322 Euro monatlich. Anspruchsberechtigt sind in beiden Fällen nur abhängig Beschäftigte.
Für die Betreuungskosten von Kindern bis zum 7. Lebensjahr gewährt Frankreich Steuervergünstigungen. Die steuerlichen Regelungen in Frankreich führen dazu, dass ab dem dritten Kind Eltern mit Durchschnittseinkommen komplett steuerfrei sind. Auch die Unternehmen werden durch Steuererleichterungen motiviert: bis zu 60 Prozent für die Ausgaben, die bei unternehmensinterner Kinderbetreuung anfallen. Solche Maßnahmen eröffnen die Option, hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen zu halten, wenn sie Mutter werden, resümiert die Studie.
fast 4ward ist ein vom Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördertes Projekt zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Weitere Informationen gibt es hier: www.fast-4ward.de
Erstellt am: 03.06.2005
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SOLVIT- die EU Beratungsstelle



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