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Beruf oder Familie?

 

Vereinbarkeit ist in Spanien noch nicht die Regel

 

Die spanische Großfamilie ist ein Modell vergangener Zeiten, Ein-Kind-Familien sind die Regel. Im katholisch-traditionell geprägten Spanien orientierte sich die Familienpolitik auch noch Jahrzehnte nach der Franco-Ära am herkömmlichen Rollenverständnis. Junge Frauen – insbesondere hochqualifizierte – entscheiden sich deshalb im Zweifel für den Beruf. Erst allmählich setzt die spanische Regierung auf Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Geburtenrate in Spanien ist eine der niedrigsten in der Europäischen Union (EU), 1,32 Kinder wurden 2004 pro Frau geboren. Nur in den in den neuen Mitgliedsstaaten aus Osteuropa und in Griechenland waren es noch weniger. Und die Spanierinnen bekommen immer später Kinder: In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil an über 30-jährigen Erstgebärenden von 36 auf 61 Prozent gestiegen. Durchschnittlich 29,2 Jahre alt waren spanische Frauen 2002 bei der Geburt ihres ersten Kinds. Damit gehören sie zu den ältesten Erstgebärenden in der EU.

Diese Situation ist auf die wenig familienfreundliche Arbeitswelt und das mangelhafte Betreuungsangebot für Kleinkinder zurückzuführen. Zwar besuchen gut 90 Prozent der über Dreijährigen einen Kindergarten, doch bei den unter Dreijährigen gibt es nur für rund fünf Prozent einen Betreuungsplatz. Mit Geburt des ersten Kindes hören dementsprechend 43 Prozent der berufstätigen Spanierinnen auf zu arbeiten – bei einer Frauenerwerbsquote von rund 50 Prozent. Frauen mit Kindern unter sechs Jahren sind mehrheitlich Hausfrauen und nur zu 30 Prozent erwerbstätig. Ginge es jedoch nach ihrer Präferenz, würden 70 Prozent arbeiten.

Frauen haben in Spanien einen Anspruch auf 16 Wochen Mutterschutz und Mutterschaftsgeld. Elternzeit kann bis zu 36 Monaten genommen werden, allerdings gab es bis vor kurzem kein Recht zur Rückkehr auf den alten Arbeitsplatz. Erziehungsgeld gibt es in Spanien nicht, und das Kindergeld in Höhe von rund 25 Euro monatlich zahlt der Staat nur bis zu einem Jahresfamilieneinkommens von gut 9.000 Euro. Bei mehr als einem Kind erhöht sich die Einkommensgrenze zwar um jeweils 15 Prozent, dennoch haben nur etwa zehn Prozent der spanischen Familien Anspruch auf diese Leistung. Berufstätige Mütter erhalten vom Staat bis zum dritten Geburtstag des Kindes monatlich 100 Euro Zuschuss für die Kinderbetreuung.

Um die Vereinbarkeit von Arbeits- und Familienleben voranzutreiben, hat die spanische Regierung Ende 2005 den "Plan Concilia" beschlossen. Das Maßnahmenpaket ist Anfang 2006 in Kraft getreten und sieht unter anderem zehn Tage Väterurlaub nach der Geburt eines Kindes vor - statt bisher zwei. Außerdem ermöglicht der Plan flexiblere Arbeitszeiten und Teilzeitarbeit für Eltern mit Kindern unter zwölf Jahren. Bisher galt das nur bei Kindern unter sechs Jahren. Während der Elternzeit wird zwei Jahre lang der eigene Arbeitsplatz freigehalten, im dritten Jahr ein gleichwertiger. Allerdings gilt der "Plan Concilia" lediglich für die rund 500.000 staatlichen Angestellten. Die Regierung erhofft sich, dass auch die Privatwirtschaft diese Regelungen aufgreift.

Erstellt am: 28.06.2006


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