EU: Beschäftigungsquote der Frauen gestiegen
Arbeitsplätze von Frauen müssen qualitativ verbessert werden
Frauen sorgen weiter für Beschäftigungswachstum in Europa, sind aber beruflich nach wie vor gegenüber Männern benachteiligt: Trotz ihres höheren Bildungsniveaus sind weniger Frauen als Männer auf dem Arbeitsmarkt vertreten und sie werden im Durchschnitt immer noch schlechter bezahlt, so das Ergebnis des Gleichstellungsberichts 2008 der EU-Kommission.
„Mit der Strategie für Wachstum und Beschäftigung ist es uns gelungen, in der EU mehr Arbeitsplätze für Frauen zu schaffen“, erklärte der für Chancengleichheit zuständige EU-Kommissar Vladimír Špidla. Es bliebe aber noch einiges zu tun, um die Arbeitsplätze von Frauen auch in qualitativer Hinsicht zu verbessern. „Insgesamt sind die Berufslaufbahnen von Frauen - trotz ihres besseren Bildungsstands - kürzer, schreiten langsamer voran und werden schlechter entlohnt“, sagte er bei der Veröffentlichung des Berichts im Januar 2008.
Der Gleichstellungsbericht hebt hervor, dass über 7,5 der 12 Millionen Arbeitsplätze, die in der EU seit 2000 geschaffen wurden, von Frauen besetzt sind. Die Beschäftigungsquote der Frauen liegt nun bei 57,2 Prozent und damit 3,5 Prozentpunkte höher als im Jahr 2000. Bei den Männern hingegen stieg die Beschäftigungsquote im gleichen Zeitraum um weniger als einen Prozentpunkt an.
Jedoch gelten einige Aspekte der Qualität der Arbeitsplätze von Frauen nach wie vor als problematisch. Obwohl fast 60 Prozent der Universitätsabsolventen Frauen sind und diese über ein besseres Bildungsniveau verfügen, liegt ihre Beschäftigungsquote EU-weit um 14,4 Prozentpunkte niedriger als die der Männer und sie verdienen durchschnittlich 15 Prozent weniger je Arbeitsstunde. Deutschland liegt mit 22 Prozent Lohndifferenz im europäischen Vergleich deutlich im hinteren Bereich. Im EU-Durchschnitt ist das Lohngefälle seit 2000 nur um einen Prozentpunkt gesunken.
Auch hinsichtlich der geschlechtsspezifischen Spaltung des Arbeitsmarktes sieht die Kommission kaum Verbesserungen. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in Unternehmen stagniert bei etwa 33 Prozent. Die berufliche Segregation - dass Frauen vor allem in Berufen unterkommen, die bereits durch einen hohen Frauenanteil gekennzeichnet sind - nimmt in einigen Ländern sogar zu. Große Ungleichheiten sieht die Kommission weiterhin im Bereich der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben: Die Beschäftigungsquote von Frauen mit Kleinkindern liegt bei nur gut 62 Prozent- bei Vätern dagegen bei über 90 Prozent. Außerdem ist jede dritte Frau teilzeitbeschäftigt, aber nur etwa 8 Prozent der Männer.
Als Fazit fordert die EU-Kommission unter anderem, jene Angebote zu verbessern, die dabei helfen, Berufs- und Privatleben zu vereinbaren. Für die Förderung der Gleichstellung sei es außerdem sehr wichtig, Rollenstereotype abzubauen, von denen die Wahl von Ausbildungs- und Berufswegen, die Aufgabenverteilung in der Familie und die Besetzung von Führungspositionen beeinflusst werden. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat zu diesem Thema Anfang Februar die bundesweite Wanderausstellung „Rollenbilder im Wandel“ gestartet, in der Frauen und Männer per Videostatement erzählen, wie sie Rollenbildern begegnen und ihren Lebensentwurf erfolgreich meistern.
Der jährlich erscheinende EU-Gleichstellungsbericht wird von der EU-Kommission in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten erstellt. In dem mittlerweile fünften Jahresbericht über die Gleichstellung von Frauen und Männern sind erstmals alle 27 Mitgliedstaaten des erweiterten Europa enthalten.
Bericht der EU-Kommission zur Gleichstellung von Frauen und Männern - 2008 (pdf, 321 kb)
Ausstellung „Rollenbilder im Wandel"
Erstellt am: 09.06.2008



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