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Schlechtere Perspektiven

 

Nachkommen von Migranten haben geringere Berufschancen

 

Nachkommen von Einwanderern haben in Deutschland deutlich schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als junge Menschen mit zumindest einem im Inland geborenen Elternteil - auch wenn sie das gleiche Bildungsniveau erreichen, so eine OECD-Studie.

Laut Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist in Deutschland unter den 20 bis 29-Jährigen mit Migrationshintergrund der Anteil der Geringqualifizierten ohne Abitur oder abgeschlossene Berufsausbildung doppelt so hoch wie in der gleichen Altersgruppe ohne Migrationshintergrund (etwa 16 Prozent zu 33 Prozent). Rund 60 Prozent der jungen Menschen mit Migrationshintergrund haben einen mittleren Bildungsabschluss (gegenüber 70 Prozent der Deutschen) und etwa sieben Prozent einen Hochschulabschluss (15 Prozent der Deutschen).
Sowohl für junge Deutsche als auch Migranten gilt: Unter den Geringqualifizierten ist der Anteil von Frauen und Männer in etwa gleich, bei den mittleren Bildungsabschlüssen ist der Männeranteil etwas höher und bei den Hochschulabschlüssen haben die jungen Frauen die Nase vorn.

Auch bei gleichem Bildungsstand haben junge Erwachsene mit Migrationshintergrund deutlich geringere Beschäftigungschancen als die Vergleichsgruppe ohne im Ausland geborene Eltern, fand die OECD heraus. Dabei sind in Deutschland - im Gegensatz zu vielen anderen Ländern - die niedrigqualifizierten Nachkommen von Migranten vergleichsweise gut in den Arbeitsmarkt integriert. Der Abstand zu gleichqualifizierten Personen ohne Migrationshintergrund ist hingegen bei Absolventinnen und Absolventen von Hochschulen und höherer beruflicher Bildung vergleichsweise stark ausgeprägt: So haben in Deutschland 90 Prozent der 20- bis 29-jährigen hochqualifizierten Männer ohne Migrationshintergrund einen Arbeitsplatz, in der Gruppe mit Migrationshintergrund sind es dagegen nur 81 Prozent. Bei den Geringqualifizierten gibt es kaum Unterschiede (56 Prozent für Personen ohne Migrationshintergrund und 54 Prozent für Nachkommen von Migranten).

„Dieser Befund überrascht, da beide Gruppen ihre Bildungsabschlüsse in der Regel im Inland erworben haben“, sagte OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig. Eine Erklärung dafür könnte sein, so Liebig, dass auf dem Arbeitsmarkt die Erwartung vorherrscht, dass Migranten und deren Nachkommen eher gering qualifiziert sind: „Bildungserfolge von Migranten und deren Nachkommen werden entsprechend noch nicht ausreichend honoriert“, vermutete er.

Auch junge, hochqualifizierte Migrantinnen der zweiten Generation haben eine geringere Beschäftigungsquote als Altersgenossinnen ohne Migrationshintergrund. Berücksichtige man allerdings, so die OECD, dass Frauen mit Migrationshintergrund im Schnitt früher heiraten und früher Kinder bekommen - also häufiger familienbedingt nicht berufstätig sind - gibt es kaum noch einen Unterschied zu deutschstämmigen Frauen.

Betrachtet man die Verteilung auf die verschiedenen Wirtschaftszweige, so sind Nachkommen von Migranten in Deutschland im Handel und im verarbeitenden Gewerbe überrepräsentiert. Unterrepräsentiert sind junge Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland dagegen in der öffentlichen Verwaltung. Hier sind nur drei Prozent der 20- bis 29-Jährigen mit Migrationshintergrund beschäftigt. Bei jungen Erwachsenen ohne Migrationshintergrund sind es dagegen zehn Prozent. In keinem anderen von der OECD untersuchten Land waren die Unterschiede ähnlich groß.

Die OECD-Studie bietet Vergleichszahlen für 16 OECD-Länder zur Arbeitsmarktintegration der im Inland geborenen Nachkommen von Migranten. Die Daten sind ein wichtiger Indikator für den Integrationserfolg, da sowohl die Nachkommen von Migranten als auch die Vergleichsgruppe ohne Migrationshintergrund ihre gesamte Sozialisation und Ausbildung im gleichen Land erhalten haben.

Weitere Informationen und Download der englischsprachigen Studie (pdf, 1,3MB) 

Erstellt am: 12.03.2010


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