Elke Scheer
"Frauen sind in Führungspositionen unterrepräsentiert. Dies ist keine neue Erkenntnis, sondern allgemein bekannt und trotz diverser Frauenfördermaßnahmen ändert sich an diesem Zustand nur sehr langsam etwas. Als Naturwissenschaftlerin bin ich es gewöhnt, zu einer oft bestaunten Minderheit zu gehören. Die Frage, warum sich junge Frauen und Mädchen so selten für naturwissenschaftlich-technische Berufe entscheiden, obwohl sie dort zurzeit beste Erfolgsaussichten haben, ist vielschichtig und deshalb sicher nicht leicht zu beantworten.
Viel gravierender finde ich jedoch den Umstand, dass auch in traditionellen Frauenberufen, die Spitzenpositionen von Männern eingenommen werden. Beispiele hierfür sind, dass Grundschulen mehrheitlich von Männern geleitet werden, obwohl der Schulleiter oft das einzige männliche Kollegiumsmitglied ist oder dass über 90% der Professoren in der Tiermedizin männlich sind, die Studierenden hingegen zu über 80% weiblich.
Diese sicher nicht auf einem Mangel an qualifiziertem Nachwuchs beruhende Diskrepanz hat zur Folge, dass selbst in Berufen mit eigentlich ausgeglichenem Geschlechterverhältnis, Frauen ihren Geschlechtsgenossinnen weniger Führungsqualitäten zutrauen als Männern.
So lange dieses selbstunterschätzende Verständnis bei Frauen dominiert, wird sich an der Verteilung der Geschlechter auf der Karriereleiter nichts ändern.
Frauen in Führungspositionen werden genauso oft von Frauen wie von Männern auf ihre Sonderrolle aufmerksam gemacht. Ich kann sehr gut nachvollziehen, warum viele junge Frauen diese ständige Ausnahmesituation scheuen, denn es ist eine anstrengende Rolle.
Deshalb ist das Frauenportal besonders wichtig, damit Ansprechpartnerinnen gefunden werden können, die ihre Erfahrungen an junge Berufsanfängerinnen weitergeben können oder damit schlicht bekannt ist, dass es Frauen in ähnlichen beruflichen Wirkungsfeldern mit vielleicht ähnlichen familiären Verhältnissen und daraus erwachsenden Fragen und Zielen gibt.
Ein wichtiges Zwischenziel besteht für mich deshalb darin, einen gewissen Grad an Normalität für erfolgreiche Frauen zu schaffen und die Aufteilung in 'Karrierefrauen' und 'normale Frauen' aufzuweichen. Dies kann nur gelingen, wenn mehr Frauen es für sich selbst für möglich und auch erstrebenswert halten, eine gute Ausbildung zu erhalten und beruflich aufzusteigen.
Eine spezielle Aufgabe, die ich mir gestellt habe, besteht darin, Mädchen und junge Frauen für naturwissenschaftliche Berufe zu interessieren, da hier besonderer Nachholbedarf besteht. Hierzu gehört meine aktive Beteiligung an Informationsveranstaltungen für Schülerinnen, die regelmäßig von den Universitäten angeboten werden, Beteiligung als Jurorin an Leistungswettbewerben wie "Jugend forscht", Vorträge in Schulen und Schülerseminaren und auch die Teilnahme Konferenzen spezielle für Naturwissenschaftlerinnen."
Kurzporträt
1984-90 Physikstudium in Karlsruhe
1995 Promotion in Physik
1996-1997 Gastwissenschaftlerin in Paris
1998-1999 Wissenschaftliche Assistentin in Karlsruhe
seit 2000 Professorin für Experimentalphysik an der Universität Konstanz
Erstellt am: 01.03.2005



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