Mehr Frauen: Eine gute Wahl für Unternehmen
Zweites Forum der Initiative FidAR - Frauen in die Aufsichtsräte in Berlin
Expertinnen und Experten aus dem In- und Ausland haben am 15. März auf dem zweiten Forum der Initiative FidAR - Frauen in die Aufsichtsräte in Berlin über Bestimmungen für mehr Gleichberechtigung in der europäischen Wirtschaft und die Maßnahmen, die in Deutschland getroffen werden, diskutiert.
Das mit Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchgeführte FidAR-Forum II stand unter dem Motto „Eine gute Wahl: Mehr Frauen in die Aufsichtsräte“. Anlässlich des Forums stellte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder den hochrangigen Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik die Kriterien vor, an denen sich der Stufenplan zur Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen orientieren wird. „Frauen haben längst die Arbeitswelt erobert. Aber dort, wo die wichtigen Entscheidungen getroffen werden, bleiben die Männer immer noch unter sich“, erklärte Kristina Schröder in der Französischen Botschaft in Berlin. „Doch Unternehmen können es sich gar nicht mehr leisten, in den Führungsetagen auf die Kompetenz von Frauen zu verzichten. Deswegen freue ich mich, wenn Unternehmen mit gutem - freiwilligem - Beispiel vorangehen. Eine gesetzlich verordnete Quotenregelung für Frauen in Aufsichtsräten könne nur Ultima Ratio sein, so die Bundesministerin weiter. „Die nötigen Veränderungen erreichen wir nur mit Unterstützung der Wirtschaft und nicht gegen sie“, betonte Kristina Schröder.
In den Mitgliedstaaten der Europäischen Union wird die Chancengleichheit von Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft zunehmend gesetzlich verankert. Frankreich steht kurz davor, eine Frauenquote für Aufsichtsräte, die Niederlande sogar für die Vorstände, einzuführen. „Schon jetzt reagieren einige Konzerne auf das Gesetz und haben angekündigt, Frauen in ihre Aufsichtsräte zu berufen. Die Entwicklung bei unserem wichtigsten Wirtschaftspartner Deutschland in dieser Frage beobachten wir mit großem Interesse“, erklärte Graham Paul, Gesandter der Französischen Botschaft in Berlin. In Belgien, Finnland, Österreich, Schweden und Spanien wurden entsprechende Gesetzesinitiativen auf den Weg gebracht oder beschlossen. Vorbild der Entwicklung ist Norwegen, wo seit 2008 eine gesetzliche Frauenquote von 40 Prozent in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen gilt.
„Die Einführung einer Frauenquote in Norwegen war das Signal, die Entwicklung in Frankreich und den europäischen Nachbarstaaten ist der Durchbruch für mehr Gleichberechtigung in der europäischen Wirtschaft“, erklärte Monika Schulz-Strelow, Präsidentin von FidAR. „Die Bundesregierung sollte sich diese Entwicklung zum Vorbild nehmen und den Stufenplan zur Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst möglichst schnell ausgestalten und umsetzen.“ Auch ohne gesetzliche Regelungen stärken immer mehr deutsche Unternehmen die Vielfalt in der Unternehmensführung. Die HypoVereinsbank hat zu Beginn des Jahres den ersten Frauenbeirat eines deutschen Finanzinstituts eingerichtet. Der Vorstand der Deutschen Telekom hat jetzt beschlossen, bis 2015 eine Frauenquote von 30 Prozent zu erreichen - auch in Führungspositionen. „Es geht uns bei der Frauenquote nicht um politisch korrekte Alibiregelungen, sondern um die spürbare und nachhaltige Umsetzung von Chancengleichheit für die besten Talente, egal welchen Geschlechts“, betont Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Deutschen Telekom.
Im Februar hat die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex empfohlen, in den Richtlinien zur guten Unternehmensführung konkrete Pläne einzufordern, wie der Anteil von Frauen in den Aufsichtsgremien erhöht werden kann. „Es gibt genügend hervorragend qualifizierte Frauen, die für Führungspositionen in Vorstand und Aufsichtsrat geeignet sind. Frauen bringen andere Perspektiven ein und stärken die Unternehmensführung“, sagte Frauke Vogler, Rechtsanwältin und Mitglied des Aufsichtsrats der Q-Cells SE. „Das letzte männlich dominierte Jahrzehnt begann mit der Internetkrise und endete mit der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise“, so Monika Schulz-Strelow. „Das neue Jahrzehnt wird das Jahrzehnt der Frauen in der Wirtschaft.“
Weitere Informationen:
FidAR Forum II
Erstellt am: 18.03.2010



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