1. Wer hat Ihre Karriere gemacht?
Über die Frage bin ich irritiert: Wer außer mir soll diese Karriere gemacht haben? Sicher, es gab und gibt Mentoren, die mich unterstützt haben, geholt haben, die mir etwas zugetraut haben. Das war zu meinen Anfängen der Chefredakteur des Münchner Merkur, der mir ein Volontariat gegeben hat. Dann die Herausgeberin der Abendzeitung, die mich als Redakteurin angestellt hat. Beim Bayerischen Rundfunk, nach neun Monaten Behinderungen: Der Leiter der Redaktion Oberbayern bot mir von einem Tag auf den anderen all das an, was mir neun Monate in einer anderen Redaktion verwehrt wurde: Beiträge zu machen, ganze Sendungen zu moderieren, Live-Sendungen, lange Reportagen etc. Einfach alles, was diesen wunderbaren Beruf ausmacht. Zum Fernsehen, dem BR, hat mich dann der damalige Chefredakteur geholt, zum ZDF der Intendant Dieter Stolte, zum NDR der Intendant Jobst Plog. Aber: Laufen muss man dann schon immer alleine, wehe, sie erfüllen die Hoffnungen nicht, die Hierarchien in sie setzen. Ich weiß, wie das ist, jetzt wo ich als "Auch-Hierarchin" konsequent Frauen fördere. Es trifft mich, wenn es nicht funktioniert, wenn Leistung und Einsatz nicht meinen Erwartungen entsprechen.
Also: Meine Karriere, oder meinen Berufsweg habe schon ich selbst gestaltet. Indem ich wohl auch an den richtigen Weichenstellungen ja gesagt habe.
2. Frauen machen Karriere, weil...
...sie gut sind, besser als viele Männer. Weil sie sich endlich vernetzen, Zickenkriege vermeiden und hochprofessionell miteinander umgehen.
Weil sie sich organisieren, daheim und im Berufsleben. Weil sie uneitler als manche Männer mit ihren Kolleginnen und Kollegen umgehen.
3. In fünf Jahren sind Sie...
....nicht mehr beim NDR, da der NDR seine Direktoren mit 63 in den Ruhestand schickt. Nicht seine Intendanten. Ich werde mich also dann vermehrt um meine jetzt schon bestehenden ehrenamtlichen Engagements kümmern: Um UNICEF, wo ich letzte Woche in den geschäftsführenden Vorstand gewählt wurde. Um den Hochschulrat der Universität Hamburg, in dem ich seit 2004 stellvertretende Vorsitzende bin und mich weiter bei Rotary Hamburg engagieren - zum Beispiel für die 65.000 Kinder in Hamburg, die unter der Armutsgrenze leben. Dazu werde ich weiter Bücher schreiben. Die Themen, das ist meine journalistische Erkenntnis und Überzeugung, liegen auf der Straße.
Maria von Welser, Direktorin des Landesfunkhauses Hamburg
Erstellt am: 29.08.2008



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