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„Mädchen stellen ihr Licht unter den Scheffel“

 

Interview mit Berufsberaterin Hella Eiteneuer

 

Dass Mädchen in der Schule noch nicht genau wissen, was sie einmal werden wollen, ist normal, sagt Hella Eiteneuer, Diplom-Pädagogin und Beraterin für akademische Berufe bei der Arbeitsagentur in Koblenz sowie stellvertretende Teamleiterin des Teams Berufsberatung/U 25. Deshalb sollten sie frühzeitig ein Gespräch zur Berufsorientierung suchen.

frauenmachenkarriere.de: Frau Eiteneuer, Sie beraten Schülerinnen und Schüler bei der Berufswahl. Wann sollten Jugendliche zu Ihnen kommen?
Hella Eiteneuer:
Sinnvoll ist es, mindestens ein Jahr vor dem Schulabschluss in die Berufsberatung zu kommen. Wir gehen auch selbst mindestens eineinhalb Jahre vorher in die Schulen. Da sagen wir den Schülerinnen und Schülern immer: Macht euch jetzt schon Gedanken, was ihr mal werden wollt! Bei einer Ausbildung ist es beispielsweise so, dass man mindestens ein Jahr vorher mit den Bewerbungen anfangen muss, sonst wird es schon knapp. Deshalb sollten sie frühzeitig zu uns kommen. Wir schlagen die Brücke von den Interessen und Fähigkeiten der Jugendlichen zu den möglichen Ausbildungsberufen und Studienfächern.

frauenmachenkarriere.de: Wie vorbereitet gehen die Schülerinnen und Schüler in so ein Gespräch? Wie vorbereitet sollten sie sein?
Hella Eiteneuer:
Der häufigste Fall ist, dass sie vage erste Ideen haben: Sie wollen etwas mit Menschen machen oder etwas mit Medien, vielleicht auch etwas im naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Aber genauere Vorstellungen haben sie meist noch nicht. Doch das ist ganz normal! Es gibt in der Schule ja kein Fach „Berufswahl-Unterricht“. Die Schülerinnen und Schüler wissen, dass sie gut in Deutsch oder in Mathematik sind. Aber sie wissen nicht, welche Berufsbilder oder Studienfächer dazu passen könnten.

frauenmachenkarriere.de: Wie läuft so ein Erstberatungsgespräch bei Ihnen ab?
Hella Eiteneuer:
Zunächst versuchen wir, durch eine gezielte Gesprächsführung herauszufinden, weshalb die Jugendlichen zu uns kommen. Bei dem ersten Orientierungsgespräch stellen wir dann gemeinsam Kriterien der Berufswahl zusammen. Die Schülerinnen und Schüler müssen für sich klären: Was ist mir eigentlich wichtig? Was muss ein Beruf mitbringen, damit meine Interessen und Fähigkeiten abgedeckt sind?

frauenmachenkarriere.de: Und wenn sie das trotz Gespräch immer noch nicht wissen?
Hella Eiteneuer:
Dann haben sie auch die Möglichkeit, Eignungstests zu machen: mit Stärken-Schwächen-Analyse, Eignungsprüfung und Berufswahltests. Speziell für den Abiturientenbereich haben wir studienfeldbezogene Beratungstests. Da können Schülerinnen zum Beispiel herausfinden, ob sie für den Ingenieursbereich geeignet sind oder nicht. Dort schicke ich gerne Mädchen hin, die sich nicht trauen, ein MINT-Fach zu studieren. Fällt der Test gut aus, ist das eine Ermutigung für sie. Wenn den Mädchen dann klar ist, was sie machen wollen, gebe ich praktische Tipps für den weiteren Berufsweg. Also etwa: Wie bewirbt man sich an einer Hochschule? Was muss man dabei beachten? Sollte es später im Studium Probleme geben, können die Mädchen sich ebenfalls noch einmal bei uns melden.

frauenmachenkarriere.de: Brauchen Mädchen für naturwissenschaftlich-technische Richtungen eine spezielle Ermutigung?
Hella Eiteneuer:
Es ist schon auffällig, dass begabte Mädchen sich seltener MINT-Studiengänge zutrauen als Jungs. Obwohl sie oftmals in den relevanten Schulfächern gute Noten haben, haben sie das Gefühl, dass sie es nicht schaffen können.

Erstellt am: 19.01.2010


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