Bei Wind und Wetter zupacken
Straßenbau ist der Traumberuf von Rebecca Weber
Straßenbauer - da denkt man an einen kräftigen, wettergegerbten Mann, nicht an eine junge Frau. Auch Internet-Suchmaschinen fragen beim Begriff „Straßenbauerin“ vorsichtshalber, ob man nicht vielleicht „Straßenbauer in“ meinte. Es ist wohl einer der frauenuntypischsten Berufe, den Rebecca Weber (17) gewählt hat.
Gerade einmal eine Handvoll weibliche Straßenbauerinnen gibt es in Deutschland. In der Erwerbstätigenstatistik des Statistischen Bundesamtes sind sie nicht einmal ausgewiesen. Unter den gut 4.500 Auszubildenden in diesem Beruf waren im Jahr 2008 bundesweit 22 Frauen. Kein Wunder also, dass Passantinnen und Passanten erstaunt stehen bleiben, wenn sie Rebecca Weber auf der Baustelle arbeiten sehen. „Auch wenn wir auf Baustellen mit anderen Firmen zusammenarbeiten, sind die Leute überrascht und fragen, wie ich dazu komme und ob mir die Arbeit nicht zu anstrengend ist“, erzählt sie. Aber negative Reaktionen habe sie bisher nicht zu spüren bekommen. Auch die Kollegen in ihrem Ausbildungsbetrieb, allesamt Männer, haben sie sofort akzeptiert. „Bei schweren körperlichen Arbeiten bekomme ich schon eher mal Hilfe angeboten“, sagt sie, aber grundsätzlich werde sie nicht anders behandelt als andere im ersten Ausbildungsjahr: „Ich will das ja auch alleine schaffen.“
Straßenbau sei ihr Traumberuf, erzählt Rebecca Weber: „Als ich etwa sechs Jahre alt war, wurde die Straße vor unserem Haus neu gemacht und ich habe tagelang fasziniert zugeschaut.“ Als es dann am Ende ihrer Schulzeit darum ging, sich für eine Ausbildung zu entscheiden, fiel ihr wieder ein, wie begeistert sie damals von den Straßenbauern war. Natürlich hätten ihre Eltern zunächst Bedenken gehabt, dass die Arbeit zu anstrengend sein könnte, erklärt sie. Und ihre Freundinnen und Freunde wollten sie sogar überreden, Verkäuferin zu lernen. „Aber letztlich hatte ich genug Überzeugungskraft und meine Eltern, Freundinnen und Freunde haben die Entscheidung akzeptiert“, berichtet Rebecca Weber.
Sie war die erste junge Frau, die sich bei dem Straßenbaubetrieb „Reck & Söhne“ im niedersächsischen Vechta beworben hat und ihr Chef Detlef Reck gibt zu, dass er schon ziemlich erstaunt war. „Andererseits hat sich die Arbeit sehr gewandelt, weil es immer mehr und bessere Maschinen gibt, und wer die Maschine bedient ist letztlich egal“, erklärt er. Nach dem Vorstellungsgespräch hat Rebecca Weber ein zweiwöchiges Praktikum absolviert und wurde auch bei allen Kolonnen, den Straßenbau-Trupps, vorgestellt. Danach war klar, dass sie die Ausbildungsstelle bekommt. Vor einigen Wochen hat der Betrieb eine weitere junge Frau als Bauhelferin eingestellt: „Sie sehen, es hat schon was gefruchtet. Früher hätte ich mir das nicht vorstellen können“, gibt Detlef Reck zu.
Bereut hat Rebecca Weber ihre Berufswahl noch keinen Moment: „Auch wenn mir manchmal alle Knochen schmerzen, würde ich mich hundertprozentig wieder dafür entscheiden“, sagt sie überzeugt. Was sie an ihrer Arbeit begeistert? „Bei Wind und Wetter draußen zu sein, dass die Tätigkeit so vielfältig ist und man das Ergebnis gleich sehen kann. Auch das Mathematische - zum Beispiel ein Gefälle berechnen - ist für mich Faszination pur“, erzählt Rebecca Weber.
Erstellt am: 19.01.2010



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